Konsortium WindNODE geht mit Konzept zur Integration von 100 Prozent Erneuerbaren ins Rennen

Bundeswettbewerb Schaufenster Intelligente Energie (SINTEG): Ein breites Konsortium von Unternehmen aus Nordostdeutschland – der Region mit einem der weltweit höchsten Anteile an Erneuerbaren Energien – hat sich beim Bund um Fördermittel für die Erprobung neuer Ansätze für die Energiewende beworben.

Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz

Starke Technologie- und Industriepartner wollen unter dem Projektnamen WindNODE gemeinsam die Energiewende weiter voranbringen. Unter der Leitung des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz sollen IT-gestützte Systeme erprobt werden, um Erneuerbare auch dann sicher in das Netz aufnehmen zu können, wenn ihr Anteil am Stromverbrauch bei 100 Prozent und mehr liegt. Unterstützung erhält WindNODE von den Ministerpräsidenten der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sowie dem Regierenden Bürgermeister von Berlin.

WindNODE, kurz für „Wind in Nordostdeutschland“, ist die ideale Modellregion für den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) ins Leben gerufenen Wettbewerb  „Schaufenster für intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende (SINTEG)“. Denn bereits im Jahr 2014 wurden in der Region 42 Prozent des Stromverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt. Dünnbesiedelte Gegenden mit reicher Windenergienutzung werden mit urbanen Lastzentren wie der deutschen Hauptstadt Berlin vernetzt. Das Konsortium umfasst die gesamte sogenannte Regelzone von 50Hertz und kann damit ganzheitliche Lösungen für das gesamte Energiesystem erarbeiten. Der Schwerpunkt soll dabei auf digitalen Technologien liegen. Ziel ist eine umfassende digitale Vernetzung von Erzeugern und Verbrauchern (Internet der Energie).

Der Konsortialführer 50Hertz begrüßt die Ausschreibung des BMWi ausdrücklich: „Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Förderung genau zum richtigen Zeitpunkt ausgeschrieben. Wir stehen heute an der Schwelle zu einer neuen Phase in der Energiewende. Die Erneuerbaren Energien haben sich von einem Nischenprodukt zu einer dominanten Energiequelle entwickelt – insbesondere in unserer Regelzone. Damit die Integration des Erneuerbaren-Stroms sicher und effizient erfolgen kann, sind Innovationen und intelligente Vernetzung erforderlich. Beides planen wir mit WindNODE“, erklärt Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz.

Zu den Mitgliedern des Konsortiums gehören innovative Unternehmen aus der Erneuerbaren-Branche, IT-Spezialisten, Energieerzeuger- und -verbraucher sowie Netzbetreiber und Forscher. Aus dem Lebensmittelhandel nimmt die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) teil.

Die Schwarz Gruppe wird ausgewählte Lidl- und Kaufland-Filialen zu „Schaufenster-Märkten“ ausrüsten, in denen Energiewende-Themen für Kunden erlebbar werden. „Energiewende bedeutet für alle Nutzer von Energie eine Veränderung ihres Nutzerverhaltens. Mit der Flexibilisierung unserer Filialen können wir einen Beitrag für eine sichere Integration der Erneuerbaren Energien leisten“, erläutert Gerd Chrzanowski, Vorstand der Schwarz Gruppe.

Ein wichtiger Teil des Konzepts besteht darin, die Menschen in der Modellregion zum Mitmachen einzuladen, um nicht nur Akzeptanz, sondern persönliches Engagement und Interesse für die Energiewende zu schaffen. Dafür sollen die Ergebnisse an ausgewählten Orten mit Schaufenstercharakter sichtbar und erlebbar gemacht werden. 

WindNODE wird von einem Konsortium aus 44 starken Technologie- und Industriepartnern sowie 16 weiteren assoziierten Partnern getragen. Projektpartner sind unter anderem der Übertagungsnetzbetreiber 50Hertz, der städtische Verteilnetzbetreiber Stromnetz Berlin, der Energieversorger und Flächennetzbetreiber WEMAG; die Technologiekonzerne Siemens, Bosch SI, T-Systems und Schneider Electric; die Erneuerbaren Energien-Spezialisten Belectric, Enertrag und Parabel; mehrere Stadtwerke, Quartiersbetreiber (z.B. EUREF), Unternehmen der Wohnungswirtschaft; Energieanwender in Schlüsselindustrien wie Automobil (Volkswagen), Chemie (InfraLeuna, BASF) und Halbleitern (Globalfoundries); die Einzelhandelsketten Lidl und Kaufland (Schwarz-Gruppe); hoch innovative kleine und mittlere Unternehmen wie Grundgrün, Pumacy und IBAR sowie die Initiative „Meine Energie für meine Stadt“. Die wissenschaftliche Begleitung übernehmen renommierte Universitäten und Forschungseinrichtungen. Auch der Austausch mit einschlägigen assoziierten Partnern auch über Ländergrenzen hinweg – unter anderem mit dem polnischen Verteilnetzbetreiber Tauron Dystrybucja S.A. – soll den europäischen Energiewendegedanken unterstreichen.

Zitate der Ministerpräsidenten
Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

„Mit dem Projekt WindNODE als Schaufenster für Intelligente Energie können wir es schaffen, das nationale Großprojekt Energiewende den beteiligten Menschen nicht nur nahezubringen, sondern sie auch zum Mitmachen einzuladen. Mit einer innovativen Start-Up- und Entwicklerszene in Berlin  haben wir die besten Voraussetzungen, begeisterte Entwickler, Anwender, Tester und Nutzer zu gewinnen.“

Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg

„Das Land Brandenburg ist Vorreiter beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, hat daher selbst ein großes Interesse daran, dass ein sicherer und effizienter Netzbetrieb trotz schwankender Energieeinspeisung möglich ist. Mit dem Projekt ,,WindNODE“ schaffen wir es, erfolgreiche regionale Lösungen einer verbesserten Systemintegration der Erneuerbaren zu etablieren und modellhaft weiterzuentwickeln. Hierzu zählt u.a. auch der Ansatz von Verbundkraftwerken in den Energieregionen Prignitz und Uckermark.“ 

Erwin Sellering, Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern

„Die Energiewende ist die große nationale Aufgabe dieses Jahrzehnts. Damit Sie gelingt, benötigen wir innovative technische Lösungen. Und wir müssen um Akzeptanz für den Umstieg auf die Erneuerbaren Energien werben. Mecklenburg-Vorpommern unterstützt dieses Projekt, weil es beide Ziele miteinander verknüpft.“

Stanislaw Tillich, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

„Sachsen ist Energieland und Vorreiter bei der Entwicklung und dem Einsatz innovativer Energietechnologien, insbesondere in den Bereichen Speicher und Netzintegration. Genau diese innovativen Technologien müssen eingesetzt und vernetzt werden, um die Erneuerbaren sicher in die bestehenden Systeme zu integrieren.“

Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

„Sachsen-Anhalt bietet große Potentiale bei der Erprobung neuer Ansätze für die Energiewende. Im Mittelpunkt stehen dabei Lösungen für intelligente Energieerzeugung und -verteilung sowie für intelligente Energienutzung und flexibles Lastmanagement an den großen Industrie-Standorten des Landes.“

Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen

„Aufgrund seiner außergewöhnlichen Ausgangslage als Energietransitland ohne Großkraftwerke bei hohem Stromimport eignet sich Thüringen in besonderer Weise zur Erprobung der Flexibilisierung der Energienachfrage, intelligenter Netze und der Integration von Energiespeichern. Wir verbinden mit dem Schaufensterprojekt die Hoffnung, innovative Technologieanwendungen zu fördern und neue zukunftsweisende Geschäftsmodelle zu erproben.“